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11 Fragen an Henning Siedentopp von MELAWEAR

Henning Siedentopp von MELAWEAR mit Textilteam von Purecotz

Anlässlich meines Erfahrungsbericht zur öko-fairen Textilproduktion in Indien und weil MELAWEAR bei Purecotz in Indien produzieren lässt, habe ich Henning ein paar Fragen gestellt.

JTG: Wie lange hast du gebraucht um den für dich passenden Produzenten – Purecotz Eco Lifestyles – zu finden?

HS: 2014 besuchte ich während einer 3-wöchigen Indien Reise zahlreiche Produzenten, von denen ich wusste, dass sie in der Lage sind Textilien in Fairtrade- und GOTS-Qualität zu produzieren. Vorort machte ich mir ein Bild von den Produktionsstätten, ihren Standards, der Qualität sowie den Produktionsbedingungen. Am Ende überzeugte mich Purecotz Eco Lifestyles.

JTG: Was spricht für Purecotz und was unterscheidet ihn von anderen Produzenten?

HS: Purecotz überzeugt, da er der einzige uns bekannte Produzent in Indien ist, der ausschließlich mit Bio-Baumwoll-Textilien arbeitet. MELAWEAR und Purecotz verbinden hohe Nachhaltigkeitsansprüche sowie der Wille gemeinsam zu wachsen. Darüber hinaus wollen wir die sozialen und ökologischen Aspekte in der textilen Lieferkette immer weiter optimieren. Dies taten wir im vergangenen Jahr zum Beispiel durch die Zahlung von Living Wages oder durch die Produktion nach dem Cradle-to-Cradle Konzept.

JTG: Henning, du hast dich bewusst für die Produktion in Indien und gegen eine Produktion in Europa entschieden. Was waren die Gründe dafür?

HS: Da wir Bio-Baumwolle aus Indien beziehen, macht es unserer Meinung nach Sinn, die Wertschöpfungskette im Land zu lassen und die Bedingungen vor Ort immer weiter zu verbessern.

JTG: Wie kam es dazu, dass du mit deinem Label als eines von drei Pilotlabels beim Fairtrade Textilstandard mitmachst?

HS: Von Beginn an standen wir mit Fairtrade Deutschland im engen Austausch. Das Thema gerechte Löhne liegt uns am Herzen, deshalb war für uns klar, dass wir dabei helfen wollen den Fairtrade Textilstandard weiter zu entwickeln.

JTG: Weshalb zahlst du freiwillig nochmal 10 Prozent mehr Lohn und wie gewährleistet du, dass die ArbeitnehmerInnen der Bonus direkt erreicht?

HS: MELAWEAR ist der Meinung, dass der flächendeckende Mindestlohn in Indien für ein menschenwürdiges Leben nicht ausreicht. Daher zahlen wir seit Beginn letzten Jahres beim Kauf unserer Textilien 10 Prozent mehr. Die ArbeitnehmerInnen bekommen dadurch zweimal im Jahr einen MELAWEAR Bonus ausbezahlt. Durch unabhängige Auditoren überprüfen wir stichprobenartig ob die Bonuszahlungen ankommen.

JTG: Welchen Einfluss hat der neue Fairtrade Textilstandard auf die Lohnsituation der Mitarbeiter bei Purecotz?

HS: Bisher hat der neue Textilstandard noch keinen Einfluss auf die Lohnsituation bei Purecotz. Der Standard sieht vor, dass die Kosten für existenzsichernde Löhne allein vom Produzenten Purecotz getragen werden, ohne dass die Marken, die dort produzieren lassen mehr bezahlen müssen. Um dies zu ändern hat sich MELAWEAR als erste Marke bei Purecotz bereit erklärt einen Bonus zu zahlen, der den MitarbeiterInnen unmittelbar zugute kommt. Wir hoffen natürlich, dass langfristig weitere Marken unserem Beispiel folgen.

JTG: Du bist ein Verfechter vom Cradle-to-Cradle Konzept und denkst in Kreisläufen. Wann wird die Kleidung von MELAWEAR vollständig recycelbar sein und im technischen Kreislauf zirkulieren können?

HS: Einige Produkte, wie das T-Shirt sind seit 2016 im biologischen Kreislauf recyclebar, das heißt komplett kompostierfähig. Bis unsere Produkte jedoch vollständig im technischen Kreislauf zirkulieren, wird es noch ungefähr 5 bis 10 Jahre dauern.

JTG: Was wünscht du dir von a) Kunden, b) anderen Labels und c) der Politik?

HS: a) Wenn ihr das was wir machen gut findet, kauft weiterhin bei uns ein. Indem Kunden ihren Bekannten von MELAWEAR erzählen, unterstützen sie uns dabei unsere Vision in die Welt zu tragen.
b) Das Wort „nachhaltig” sollte nicht inflationär verwendet werden, sondern nur wenn ein Produkt auch wirklich alle Aspekte von Nachhaltigkeit erfüllt.
c) Von der Politik wünsche ich mir, dass sie Labels wie MELAWEAR unterstützt, indem sie zum Beispiel Zollfreiheit für alle nachhaltigen Produkte einführt.

JTG: Du setzt auf GOTS- und Fairtrade-Zertifizierungen. Ist von deinem Standpunkt aus betrachtet glaubwürdige öko-faire Textilproduktion auch ohne Zertifizierungen möglich?

HS: Ohne Zertifizierung findet keine regelmäßige, unabhängige Bewertung der Lieferkette statt und die Glaubwürdigkeit ist meiner Meinung nach nicht gegeben. Für eine glaubwürdige öko-faire Textilproduktion ohne Zertifizierung müsste ein Label seine Lieferkette sehr gut kennen und offen legen, sowie regelmäßig Umweltanalysen durchführen.

JTG: Wird öko-faire Mode auch in Zukunft in der Nische bleiben?

HS: Auf keinen Fall! Genauso wie Bio-Lebensmittel es geschafft haben, wird auch öko-faire Mode aus der Nische in den Massenmarkt kommen.

JTG: Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

HS: Ich würde mir wünschen, dass MELAWEAR seinen Kunden beweist, dass Wachstum möglich ist ohne auf Nachhaltigkeitsstandards zu verzichten.

Vielen Dank Henning für dieses Interview. Das Interview führte Jan von JAN TRÄGT GRÜN.


Fotos: MELAWEAR. Motiv. Henning Siedentopp/MELAWEAR und Textilteam/Purecotz Eco Lifestyles.

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