Interviews

JTG interviewt das Hamburger Eco Fashion Label Kluntje.

In ihrem Atelier im Mundsburg Center Hamburg traf ich die drei Gründerinnen von Kluntje. Fashion aus Hamburg. Wir sprachen über ihre erste Fashionshow, ihre Mode, Veränderungen in der öko-fairen Textilbranche und nicht zuletzt über Öko-Mode und Männer. Seid gespannt … 

JTG: Herzlichen Glückwünsch zu eurer ersten und dazu erfolgreichen Fashionshow. Wie habt ihr sie empfunden und wie war die Resonanz der Zuschauer?

Kluntje.: Wir haben die Show als gelungen empfunden. Die Resonanz der Zuschauer war durchweg positiv. Nach der Modenschau erhöhte sich die Besucherzahl auf unseren Social Media Plattformen. Die Show und deren Abläufe verlief genau nach unseren Vorstellungen und für unsere erste Show sind wir äußerst zufrieden. Kurzum, wir sind glücklich.

JTG: Wie kam es zu eurer Entscheidung ein eigenes Eco Fashion Label zu gründen?

Kluntje.: Wir haben uns im Modedesign Studium auf der JAK Akademie in Hamburg kennengelernt, wo wir auf den Massenkonsum in der Modeindustrie gestoßen sind. Diesen Konsum können wir mit unseren Werten nicht vertreten, denn dafür sind wir zu sozial eingestellt, um das zu unterstützen.

Daher kam die Idee eigene Eco Fashion und Re-Fashion (Fashion aus Altkleidern und Reststoffen) herzustellen. Wir wollen Veränderungen herbeiführen – Alternativen schaffen. Zudem möchten wir zeigen, dass es in der Modeindustrie auch anders geht.

JTG: Was unterscheidet euch von anderen Labels?

Kluntje.: Unser Style. Wir wollen unser Design durchsetzen. Unser Design ist sehr von Hamburg inspiriert. Wir haben festgestellt, dass Bio-Mode nach wie vor den Bio-Charakter (Kartoffelsackimage) hat, was wir auf keinen Fall wollen. Es ist uns ein Anliegen, moderne Kleidung aus Stoffen, die wir schön finden zu nähen. Es gibt viele Möglichkeiten, die nicht genutzt werden. Bio wird oft in Verbindung mit Filz-Klamotten gebracht. Bio und Upcycling wollen wir für uns nutzen, weil wir mit der Modewelt nicht zufrieden sind. Im Endeffekt sollen unsere Kleidungsstücke gefallen und vom Style überzeugen. Wir machen beides: Eco Fashion und Re-Fashion, wobei die Re-Fashion-Teile aus Altkleidern und Reststoffen gefertigt werden. Dadurch können sie nur ein einziges Mal verkauft werden und sind somit echte Unikate.

JTG: Ihr bietet sowohl Re-Fashion (Upcycling) als auch klassische Eco Fashion an. Wollt ihr euch auf eine Ausrichtung konzentrieren?

Kluntje.: Nein, wir wollen beide Ausrichtungen verfolgen. Zu einem späteren Zeitpunkt müssen wir Kleidung auch produzieren lassen, und dass ist nur mit der klassischen Eco Fashion möglich. Dafür benötigen wird den nachwachsenden Rohstoff Bio Baumwolle. Die Einzelstücke, die aus Reststoffen bestehen, werden weiterhin von uns selbst genäht. Wir nehmen die Dinge gerne selbst in die Hand. Der Anteil der Upcycling-Stücke wird tendenziell immer geringer ausfallen, da sie viel aufwändiger in der Herstellung sind und daher einen höheren Wert besitzen, der sich im Preis niederschlägt.

JTG: Kluntje. steht für …?

Kluntje.: Den Teezucker (Kandiswürfelzucker). Die sind nie gleich, sind unterschiedlich groß, sehen immer anders aus. So ist unsere Mode, einzigartig. Sie sieht immer verschieden aus und im ursprünglichen Sinn keine Stangenware. Kluntje. ist einfahc anders, eben wie der Kandiszucker. Das Wort „Kluntje“ ist ein ostfriesisches Wort und da wir aus dem Norden kommen, fanden wir Kluntje als Labelname einfach passend. Wir verbinden mit Kluntje das nordische Flair und die Einzigartigkeit der einzelnen Stücke.

JTG: Hat jede von euch einen festen Verantwortungsbereich?

Kluntje.: Grundsätzlich teilen wir alles auf. Dennoch haben sich im Verlauf gewisse Verantwortungsbereiche herauskristallisiert. Julia ist verantwortlich für Social Media. Kati ist PR-Frau/Texterin und Lena ist die kritische Begutachterin in allen Belangen, und hat immer fetzige sowie neue Ideen für die nächste Kollektion.

JTG: Euer Label Kluntje. existiert seit 2015. Was sind eure nächsten Schritte?

Kluntje.: Wir machen weiter wie bisher, d. h. das Produktangebot beim Avocadostore wird weiter ausgebaut. Des Weiteren sehen wir uns nach Pop-up-Stores um (mit einigen im Gespräch) und prüfen welche davon für uns infrage kommen. Ein Fokus liegt weiterhin auf der Präsenz beim Kunden, die durch die Pop-up-Stores gezeigt wird.

JTG: Was könnt ihr als Label für eine nachhaltige Welt tun?

Kluntje.: Was können wir mehr tun, als das was wir bereits tun? Wir versuchen unseren ökologischen Fußabdruck als Label weiter zu verkleinern – durch Upcycling. Es gibt so viele schöne Stoffe die verwendet werden können. Es müssen nicht neue Stoffe produziert werden. Wir konzentrieren uns auf das, was es bereits gibt, um gegen die nicht-nachhaltige Produktion anzugehen. Durch den Einsatz von Organic Cotton wollen wir in kleinen Schritten verträglichere Mode machen und ein Bewusstsein schaffen. Wir wissen, dass wir die Welt nicht retten können, daher ist es umso wichtiger, den Konsumenten bewusst zu machen, dass ein Kleidungsstück mehr als drei Euro kostet. Daran hängt eine ganze Kette, ein Entstehungsprozess, dafür wollen wir die Menschen offener machen. Sie sollen wissen, dass am Ende kein Kleidungsstück aus der Maschine kommt, sondern ein Mensch für die Herstellung verantwortlich ist bzw. eine Mehrzahl von Menschen. Das wollen wir in den Köpfen der Menschen verankern und verdeutlichen, dass Kleidung einen Ursprung hat, die bei Modehäusern für wenige Euro verkauft wird. Der höhere Preis, der für unsere Kleidung bezahlt wird, soll dem Kunden verdeutlichen, dass auch ein einzelnes Kleidungsstück ausreicht und nicht gleicht vier gekauft werden müssen. Man muss nicht viel konsumieren. Lieber ein Kleidungsstück besitzen, welches wertgeschätzt wird. Es hält länger und ist ein Charakterstück.

JTG: Was muss eurer Meinung in der öko-fairen Textilbranche noch verändert werden?

Kluntje.: Der Style. Es gibt zu viel Kleidung die das Öko-Image widerspiegeln, dass muss nicht sein.

JTG: Lasst uns über Männer und Öko-Mode sprechen. Was bietet ihr für Männer und weshalb sollten Männer Wohlfühlkleidung von Kluntje. kaufen?

Kluntje.: Männerkleidung von Kluntje. ist gemütlich und unsere Bio-Baumwollstoffe sind von innen sehr flauschig. Die Schnitte sind zudem sehr bequem. Kluntje. Kleidung ist Kleidung zum Wohlfühlen.

Gerade in der neuen Sommerkollektion 2016 bieten wir Stücke an, bei denen Biostoffe mit Upcycling kombiniert wird. Die neue Kollektion vereint Styles aus den 1980ern, sie sind sportiv und haben versprühen einen Hauch von Vintage. Alles in allem einfach cool. Mann, zieht alle Blicke der Frauen auf sich.

JTG: Beendet bitte folgenden Satz: „Der Mann von heute …“

Kluntje.: Denkt darüber nach wo er kauft und warum er kauft. Männer haben ein viel größeres Bewusstsein beim Einkaufen. Wir haben uns bisher viel mehr mit Männern über Mode unterhalten als mit Frauen, weil sie meistens genau wissen was sie wollen. Frauen hingegen konsumieren viel und finden alles super, aber Männer legen viel wert auf die Passform. Bei Kluntje. Fashion haben wir bei den Männerstücken darauf geachtet, dass diese länger geschnitten sind, mit dem großen Vorteil, diese auch noch individuell anpassen zu können. Zudem darf ein Männerpullover nicht kratzen.

Der Mann von heute ist sehr modisch und schaut wo die Sachen herkommen. Er konsumiert bewusst.

JTG: Wieso habt ihr euch gleich zu Beginn, neben der Frauenbekleidung, auch um die Männer gekümmert?

Kluntje.: Im Studium kristallisierte sich heraus, dass Männermode eine besondere Herausforderung ist, weil es für Männer kein großes Spektrum an Kleidungsstücken gibt wie bei Frauen. Da wurde uns schnell klar, dass wir hier ansetzen wollen und Männermode herausstechen muss. Dieser Herausforderung haben wir uns mit viel Freude gestellt. Generell sollen Männer bei Mode nicht zu kurz kommen – insbesondere bei fairer Mode.

JTG: Kann ein Mann mit Öko-Mode gut gekleidet aussehen?

Kluntje.: Mit Kluntje. Kleidung, ja.

JTG: Was fällt euch zu Männern und Mode ein?

Kluntje.: Als Mann hat man schnell Lieblingsteile, die immer wieder angezogen werden. Ein Mann trägt Hose, T-Shirt und Pullover. Die Lieblingsteile müsse kombinierbar sein, zu anderen Kleidungsstücken passen. Die Qualität ist für Männer ebenso wichtig. Männer sind nicht besonders kauffreudig, doch, wenn sie erst einmal überzeugt sind, sind sie treue Kunden. Kluntje. bietet jedenfalls Kleidung für Männer an, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar ist.

JTG: Was zeichnet einen männlichen Fair Fashionista aus? Was trägt er, was ist er für ein Typ?

Kluntje.: Der männliche Fair Fashionista trägt Bart. Er kauft anders ein, nicht nur in Bezug auf Kleidung. Das männliche Bewusstsein ist im Wandel. Er guckt auch gerne in Secondhand Stores, liest sich gerne Hintergrundwissen an. Er weiß einfach gerne Bescheid. Ihm geht es nicht nur um das ganze Kleidungsstück, sondern um die ganzheitliche Betrachtung dessen. Das es für Männer nicht die gleiche Vielfalt an Kleidungsangeboten gibt wie für Frauen, sollte für sie das gekaufte Stück etwas Besonderes sein. Sie bevorzugen daher eher kleine und nachhaltige Labels. H&M oder allgemein Stangenware bleibt außen vor.

JTG: Beendet bitte folgenden Satz: „Kluntje. wird 2017 …“

Kluntje.: In Hamburg sowie im nordischen Raum bekannt sein.

JTG: Möchtet ihr an dieser Stelle noch etwas loswerden?

Kluntje.: Folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram und auf unserer Website www.kluntje.eu, da wir noch keinen feste Ladengeschäft haben. Verliert uns nicht aus den Augen.

Vielen Dank an Lena, Julia und Kati von Kluntje. für das Gespräch. JAN TRÄGT GRÜN wünscht euch auf eurem weiteren Weg alles Gute.

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